Gratis funktioniert

Yaez ist eine kostenlose Jugendzeitung mit Sitz in Stuttgart. Sie erscheint in Baden-Württemberg mit drei Regionalausgaben und hat eine Auflage von 99.125 Exemplaren (IVW 2/2007). Im Gegensatz zu anderen Jugendmagazinen trotzt Yaez den Auflagenschwund. Die Jugenddrehscheibe sprach mit Chefredakteur Janos Burghardt über das Erfolgsmodell.

 

Während Jugendmagazine wie Bravo oder Yam mit sinkenden Auflagen kämpfen, legte Yaez im vergangenen Quartal um acht Prozent zu. Lüften Sie für uns das Geheimnis des Erfolgs?
Der Vergleich hinkt. Bravo und Yaez sind unterschiedliche Geschäftsmodelle. Während fast alle Jugendmagazine Probleme im Verkauf haben, gehen wir als Gratistitel einen ganz anderen Weg. Wir produzieren in Hochauflage und legen Yaez an Schulen, Jugendtreffpunkten und in Kulturzentren aus. Auf diese Weise erreichen wir die Jugendlichen direkt.

 

Janos Burghardt, Chefredakteur von Yaez

Und wie finanzieren Sie das?
Ausschließlich durch Anzeigen. Durch eine flache Struktur bei uns im Verlag kommen wir dabei mit einem sehr geringen Anzeigenanteil pro Ausgabe aus und können unseren Kunden wesentlich günstigere Anzeigenpreise anbieten als beispielsweise der Spiesser.

 

Was unterscheidet Sie noch von anderen Gratistiteln wie Spiesser und Unicum Abi?
Wir sind stark regional ausgerichtet. Ein Drittel des Heftes ist regionalen Inhalten gewidmet, ein Drittel dem Titelthema und ein Drittel Kultur und Terminen. Außerdem legen wir großen Wert auf einen engen Kontakt zu den Schulen. Wir laden nicht einfach Pakete mit Yaez-Heften an der Schule ab, ohne uns weiter darum zu kümmern. Im Gegenteil: Wir führen immer wieder Gespräche mit Lehrern, Schülern und Schülersprechern und vereinbaren individuell, ob nur ein Exemplar an den Schülersprecher oder drei Pakete an einen Lehrer geliefert werden, der die Exemplare dann in seinen Klassen verteilt. Durch den engen Kontakt zu den Schulen hätten wir auch gar keine Angst, wenn sich der Spiesser entscheiden würde, nach Baden-Württemberg zu expandieren.

 

Yaez-Ausgabe

Trotzdem wissen Sie nicht, ob Yaez an den Schulen auch gelesen wird.
Das stimmt. Über unsere Reichweite können wir keine Aussage treffen. Wenn wir allerdings mit Schülern sprechen und neun von zehn kennen Yaez, dann sagt das auch etwas über die Reichweite aus. Außerdem erhalten wir über Gewinnspiele und Leserbriefe Rückmeldungen, die zeigen, dass wir gelesen werden und die Leser sehr zufrieden sind.

 

Wie schaffen Sie es denn, die Jugendlichen inhaltlich anzusprechen?
Auch wenn wir unseren ursprünglichen Anspruch „von Schülern für Schüler“ nicht mehr zu hundert Prozent halten können, so arbeiten immer noch viele engagierte Schüler bei uns mit, und wir bleiben auf diese Weise nah an der Zielgruppe. Darüber hinaus starten wir regelmäßig Umfragen in den Schulen: „Was haltet Ihr von dem Titelthema?“ oder „Wie gefiel Euch die Gestaltung der letzten Ausgabe?“ Diese Rückkoppelung an den Leser ist wichtig.

 

Und im Internet viel leichter zu haben.
Natürlich werden wir mit einem Print-Produkt nicht den interaktiven 1:1-Kontakt haben. Dafür kommen wir direkt in den Schulen an und haben damit einen langfristigen und sicheren Vertriebsweg, der vor allem auch für Anzeigenkunden sehr interessant ist.

 

Interview: Jan Steeger

 

Janos Burghardt ist 22 Jahre alt und Chefredakteur von Yaez. Er studiert Medienwirtschaft in Stuttgart und bloggt unter www.mediablatt.de.

 

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