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Von wegen null Bock
Teenager interessieren sich durchaus für Politik- auch wenn sie nicht die klassischen Medien nutzen.
Es ist einfach, Jugendlichen eine unpolitische Grundhaltung unter dem Titel "Null-Bock-Generation" vorzuwerfen. Zu einfach, finden verschiedene Journalisten. Sie beleuchten, dass der politische Einsatz Jugendlicher vielfältiger ist als oft angenommen.
Thomas Vitzthum von der Berliner Morgenpost etwa. Er berichtet über alternatives Engagement nach dem Schulabschluss wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Politik, das es seit einiger Zeit als Pendant zum FSJ bei sozialen Einrichtungen gibt. Vitzthum besuchte dafür einen Freiwilligen im Landesparlament Sachsen-Anhalt. "Er war begeistert, seine Anliegen als politischer Freiwilliger in die Öffentlichkeit tragen zu können", erzählt der Redakteur.
Das Jugendliche sich engagieren, bestätigt auch Astrid Günther, Projektleiterin des FSJ Politik in Sachsen, wo das Projekt seit 2003 angeboten wird. "Die Nachfrage ist groß", sagt sie. Auf die 25 Plätze bewerben sich mehr als 100 Jugendliche. "Es gibt kein generelles Desinteresse junger Leute an politischen Themen", fügt sie an. "Jugendliche informieren sich viel übers Internet und nicht über die klassischen Medien. Dadurch entsteht manchmal der Eindruck, sie seien nicht interessiert."
 - Titel des Jugendmagazins Spiesser
Jörg Flachowsky, Redaktionsleiter des Jugendmagazins Spiesser, ist der Meinung, dass man Teenager deshalb anders ansprechen muss: "Wenn man politische Themen herunterbricht und sie auf Augenhöhe mit den Jugendlichen diskutiert, sind diese sehr politisch."
So hat Spiesser 2008 zum Beispiel 100 Jugendliche vorgestellt, die sich auf die verschiedensten Arten engagieren. Darunter ein 18-Jähriger, der nach den Anschlägen vom 11. September ein Fußballturnier für den Frieden veranstaltete, das seither jedes Jahr stattfand. Oder eine 17-jährige Schülerin, die an ihrer Schule ein Patenkindprojekt eingeführt hat. Wichtig für Jörg Flachowsky ist, dass man nicht mit erhobenem Zeigefinger versucht, politisches Engagement zu fördern. Das Feedback gibt ihm recht. Regelmäßig gibt es Blattkritiken mit Jungautoren und Lesern. Die haben sich noch nie über politische Themen im Magazin beschwert.
Trotzdem finden die Jugendlichen vergleichsweise wenig Resonanz in der Presse. So sagt Thomas Vitzthum von der Berliner Morgenpost: "Geschichten, die sich mit politischen Jugendlichen beschäftigen, kommen im Allgemeinen zu wenig vor." Astrid Günther wünscht sich: "Weniger pauschale Urteile über Jugendliche und mehr Berichte über Projekte, die das politische Interesse und Engagement der Jugendlichen fördern."
von Jan Pedd
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