In der neuen "Yaez" liegt der Schwerpunkt auf dem Superwahljahr 2009. Was war das Ziel der Ausgabe?
Die erste Frage, die sich Jugendliche zur Wahl stellen, ist ja, was eine Wahl eigentlich bringt. Dazu haben wir unseren Aufmacher-Text geschrieben, in dem wir verschiedene Ansichten darstellen und beschreiben, warum einer vom Wählen überzeugt ist, ein anderer nicht. Dazu haben wir extra das Beispiel aus den USA gegeben. Erstens haben dort wirklich nur wenige Stimmen die Wahl entschieden, zweitens ist Bush jemand, der polarisiert. Unser Ziel war nicht, die Jugendlichen über Wahlen aufzuklären, sondern einfach zu zeigen, dass jede Stimme Auswirkungen hat.
Besonderer Fokus liegt im Heft auf der Europawahl. Warum gerade diese und nicht etwa die Kommunalwahlen?
Wir wollten das Thema Wahlen allgemein angehen, um einen Überblick zu verschaffen. Das Ganze auf Parteiprogramme runterzubrechen, wäre für junge Leser wahrscheinlich zu langweilig geworden. Europa ist unter Jugendlichen immer wieder ein interessantes Thema. In der Schule wird zwar viel über Europa gesprochen, aber die EU ist leider mit abstrakten Begriffen und den komplexen Institutionen verbunden. Wir versuchen, viele verschiedene europäische Themen aufzugreifen, ob in der Print-Ausgabe oder im Internet. Wir haben zum Beispiel bei schülervz.net eine eigene Europa-Gruppe mit dem Namen "Fan von Europa" gegründet. Diese soll eine Plattform für Schüler sein, wo sie sich über Europa austauschen können. Mittlerweile hat die Gruppe 5.800 Mitglieder, was wir nie erwartet hätten. Ebenso wenig wie eine kontroverse Debatte, die in der Gruppe aufkam. So fühlten sich Jugendliche mit Migrationshintergrund, gerade aus arabischen Ländern, durch den Gruppennamen ausgeschlossen. Die Gruppe soll aber genau das Gegenteil sein und alle Jugendliche vereinen.
Die "Yaez" hat im Moment ein Europa-Spezial in jeder Ausgabe, womit sie ebenfalls die multikulturelle Jugend anspricht. Worum geht es dabei?
Die EU-Kommission hat im Herbst letzten Jahres eine deutschlandweite Ausschreibung für Jugendmagazine ins Leben gerufen, um die Berichterstattung über europäische Themen zu stärken. Unter den vielen Teilnehmern konnte Yaez sich durchsetzen und das Redaktionsbudget für sich gewinnen. So konnten wir eine vierteilige Serie in unserer gedruckten Ausgabe zum Thema Europa starten, die jetzt in der Juni-Ausgabe zum letzten Mal erscheint. In der aktuellen Ausgabe, dem dritten Teil der Serie, zeigen wir die Funktionsweise der EU und die Möglichkeiten, wie man als Schüler ins europäische Ausland kommt. In vorherigen Ausgaben haben wir zum Beispiel historische Orte zur Entstehung der EU, wie Paris und Rom, oder zu den EU-Verträgen, wie Maastricht oder Lissabon, vorgestellt Bevor die Ausgabe erschienen ist, haben Sie zusammen mit dem virtuellen Chatroom habbo.de eine Umfrage unter Jugendlichen zu ihrem politischen Interesse gemacht.
Was ist dabei heraus gekommen?
Generell hat Politik für Jugendliche eine andere Bedeutung als die Politik, die man beispielsweise aus der Tagesschau kennt. Jugendliche interessieren sich für andere Themen, wie etwa für den Umweltschutz. Bei der Umfrage konnte jeder einen Fragebogen ausfüllen. Insgesamt haben das 6.599 Jugendliche gemacht. Dabei kam heraus, dass Barack Obama unter ihnen bekannter ist als Angela Merkel. Obama trifft mit seiner Ausstrahlung einfach den Nerv der Zeit. Ein Wirtschaftsminister zu Guttenberg ist den meisten dagegen kein Begriff, weil er nicht in den Medien auftaucht, die Jugendliche nutzen. Allgemein kann man sagen, dass die Wirtschaft und die Finanzkrise keinen hohen Stellenwert bei den Jugendlichen haben. Diese Kooperation mit habbo.de zeigt auch das große Potenzial, das in der Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und Social Networks stehen. Wir setzen als Redaktion ganz bewusst auf diese neuen Medien und arbeiten neben habbo.de auch mit SchülerVZ.net und SpickMich.de zusammen. Diese Plattformen bieten uns eine weitere Möglichkeit, näher am Leser zu sein, mit den Jugendlichen direkt zu kommunizieren und zu sehen, was sie bewegt und wie sie ticken. Die Macher der Internetforen sind ebenfalls froh über solche Kooperationen, da es einen inhaltlichen Mehrwert bietet, wenn unsere Redakteure sich in den Gruppen und Foren aufhalten und sich mit den Nutzern austauschen.
Wird es wieder eine Ausgabe mit dem Fokus auf die Wahl geben, wenn im Herbst die Bundestagswahl ansteht?
Wie haben geplant, etwas zur Wahl zu machen. Diesmal zwar nicht als Titelthema, aber auf eigenen Sonderseiten. Wir werden auch versuchen, wieder mit den angesprochenen Social Networks zusammenzuarbeiten. Wir können uns da Diskussions-Gruppen vorstellen, Umfragen und Webcasts.
Kontakt: Janos Burghardt
Tel.: (0711) 13 77 80 15
E-Mail: jb@yaez-verlag.de