Das Blatt in Kinderhänden

Zum Weltkindertag produzierten Jugendliche eine komplette Ausgabe der Frankfurter Neuen Presse


Titelseite der Frankfurter Neuen Presse vom 20. September 2008.

Die Samstagsausgabe der Frankfurter Neuen Presse (FNP) vom 20. September kam mit einer ungewöhnlichen Schlagzeile daher: "Eine Woche ohne Handy – Wie kann man das überleben?" war auf der Titelseite zu lesen. Doch nicht nur das unterschied diese Ausgabe von anderen der FNP. Die Zeitung sowie alle Regionalausgaben vom 20. September wurden vollständig von Jugendlichen gestaltet. Anlässlich des Weltkindertags übernahmen 168 Mädchen und 64 Jungen im Alter von zwölf bis 18 Jahren die Produktion des Blattes und konzipierten, schrieben und layouteten die gesamte Ausgabe. "Nahezu alles in der Zeitung war von den Jugendlichen", sagt Chefredakteur Rainer M. Gefeller.

 

Die Idee, eine gesamte Ausgabe der Zeitung in die Hände von Kindern und Jugendlichen zu legen, entstand bereits Anfang des Jahres. "Durch unser Projekt ,Zeitung in der Grundschule‘ wussten wir, dass es ein großes Interesse der Schüler am Zeitungmachen gibt", erzählt Gefeller.

 

Im April trat die Frankfurter Regionalzeitung an 33 Gymnasien im Verbreitungsgebiet heran auf der Suche nach Schülern, die Lust hätten, an dem Projekt "Junge Zeitung" teilzunehmen und eine vollständige Ausgabe der FNP zu produzieren. An der Kick-Off-Veranstaltung im Mai nahmen 250 Schüler teil. Sie wurden auf die verschiedenen Ressorts der Zeitung verteilt, bei denen jeweils ein Redakteur für die Betreuung zuständig war. Bis zum Ferienanfang am 23. Juni trafen sich die jungen Blattmacher einmal wöchentlich in der Redaktion und entwickelten gemeinsam mit den Redakteuren Themen für die "Jugend"-Ausgabe. Von Interviews mit Ministerpräsident Roland Koch und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth bis hin zu Geschichten zum achtjährigen Abitur und zum islamischen Alltag in Frankfurt reichte das Themenspektrum.

 

Rainer M. Gefeller mit den jungen Zeitungsmachern im Newsroom der Frankfurter Neuen Presse

 

"Wir waren erstaunt, dass die Jugendlichen so gut wie keine Kids-Themen ins Blatt bringen wollten", sagt der Chefredakteur. Und auch sonst hätten die professionellen Blattmacher von den Schülern einiges gelernt. "Bei den Interviews haben die Jugendlichen sich nicht so leicht abfertigen lassen, wie wir es manchmal tun", sagt Gefeller. Nicht nur, dass sie die Politiker zu anderen Antwortformen gebracht haben – bei einem Interview mit einem Kultusminister, das deutlich gekürzt von der Autorisierung zurückkam, stellten die Jugendlichen zu dem Interview einen Beitrag ins Blatt, in dem sie auf diese Kürzungen aufmerksam machten.

 
Bis zum Ende des Projekts waren mehr als 200 Jugendliche mit dabei. Das bedeutete für alle Redaktionen einen erhöhten Arbeitsaufwand. Doch auch wenn anfangs einige Kollegen der Idee nicht so aufgeschlossen gegenüberstanden, seien trotz aller Anstrengung letztlich alle begeistert gewesen, so der Chefredakteur. Und die Jugendlichen waren stolz auf das Ergebnis. "Das hat dem Image der Zeitung sehr gut getan", sagt Gefeller.

von Jan Steeger

 

Alle Regionalausgaben der FNP zum Weltkindertag gibt es als PDF unter jungezeitung.fnp.de. Dort gibt es auch Videos zur Arbeit der Nachwuchsblattmacher.

 

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