In "Wilhelm ermittelt" löst der Taxifahrer Willi (Dustin Semmelrogge) gemeinsam mit der Kripokommissarin Katharina (Anna Ingordino) und dem Polizeireporter Peter (Martin Kaps) lustige Fälle in Thüringen. Neben den professionellen Schauspielern – in einer kleinen Rolle ist auch Martin Semmelrogge zu sehen – werden mehr als 100 Leser der Thüringer Allgemeinen bei dem Krimi mitspielen. Rund 500 Personen bewarben sich bei den Castings, um in einer von 20 Nebenrollen oder als Komparsen aufzutreten.
Dabei zeigte sich, dass nicht nur junge Leute dieses Experiment interessant finden: "Für die Castings haben sich auch Seniorengruppen und Rentnerbands gemeldet. Die Bandbreite war sehr groß", sagt Lochthofen.
Die Zeitung begleitet die Castings und sämtliche Entwicklungen bei der Produktion der Krimiserie redaktionell quer durchs Blatt und auf einer eigens eingerichteten Webseite. Dort finden sich auch Videos von den Castingveranstaltern, Interviews mit den Beteiligten und die Story, die ab dem 24. Juli verfilmt wird.
Dabei stellt sich die Frage, warum eine Regionalzeitung überhaupt eine Krimiserie fürs Web-TV produziert. "Momentan gibt es bei den Zeitungen eine große Aufgeregtheit über die Möglichkeiten von Webvideos", sagt der TA-Chefredakteur. Mit dem ambitionierten Projekt wolle man testen, ob Zeitungen mit so etwas künftig ihr Angebot im Netz verbessern können. Lochthofen: "Ich befürchte, dass bald wieder Ernüchterung beim Thema Web-Videos eintritt." Insofern sei es wichtig, auszuprobieren, was in diesem Bereich funktioniert.
Ebenfalls ausgetestet wird, ob der Aufwand, den die Macher der Serie betreiben, für ein Web-Format gerechtfertigt ist. "Letztlich geht es auch um die Quote", sagt Sergej Lochthofen. "Wenn Sie mit Bildern von einer Karnevalsveranstaltung genauso viele Klicks erzielen, dann lohnt es sich nicht, einen solchen Aufwand mit einer Krimiserie zu betreiben."
Daneben gehe es aber auch darum, auszuprobieren, welche Möglichkeiten für Werbung das Web-TV bietet, so der TA-Chefredakteur. Die Castings zu "Wilhelm ermittelt" wurden zum Teil in Einkaufszentren und Autohäusern durchgeführt, die als Sponsoren dienten.
von Jan Steeger
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