Krieg und Katastrophen in deutschen Kindermedien

von Redaktion | Jul 19, 2011 | Comments Off on Krieg und Katastrophen in deutschen Kindermedien
 
Jugenddrehscheibe

Nun kommen Experten zu Wort, die die Herausforderung, für Kinder Nachrichten zu machen, aus der alltäglichen Praxis kennen. An der Diskussionsrunde beteiligen sich Markus Möhrchen (leitender Redakteur von logo!), Volker Stennei (Chefredakteur Hellweger Anzeiger, in dem seit fünf Jahren täglich eine Kinderseite erscheint) und Christiane Toyka-Seid (HaniauLand, Kindernachrichten der bpb im Internet).


Der Hellweger Anzeiger hat seit der Katastrophe auf seiner Kinderseite mehrere Sonderbeiträge herausgebracht. Das Ressort sei kein “Anhängsel”, sondern gleichberechtigt zu Politik, Sport oder Wirtschaft. Eine Kinderredakteurin wird in Ausnahmesituationen von zusätzlichen Mitarbeitern unterstützt. “Kinder stellen Fragen, die Erwachsene sich nicht zu stellen wagen”, so Stenneis Erfahrung. Deswegen sei die Resonanz auf die Kinderseite bei allen Altersgruppen sehr gut. Teilweise würden die Kinderseiten als Unterrichtsmaterial von Schulen angefragt. Gleichzeitig sind Kinder aus der Region in der Redaktion eingeladen, ihre Meinung zu sagen.


Auch die Zeitung muss gerade mit Bildern aufpassen: “Wir sind da sehr vorsichtig, lassen Bilder lieber weg oder zeigen Info-Grafiken, als Grausamkeiten zu zeigen.”


Seit eineinhalb Jahren erscheinen Deutschlands bekannteste Kindernachrichten logo! jeden Tag. “Kinder haben den gleichen Informationsbedarf wie Erwachsene”, begründet Markus Möhrchen, leitender Redakteur bei logo! diesen Schritt. Täglich arbeiten in der Redaktion 15 Mitarbeiter, zwei Kollegen kümmern sich um den Online-Auftritt. “Wegen der Katastrophe in Japan sind unsere Klickzahlen erheblich gestiegen”, sagt Möhrchen. “Wichtig ist, dass man sofort auf die Fragen und Wünsche der Kinder und Jugendlichen zu reagiert.”


Den zeitnahen Austausch mit dem Publikum hält auch Christiane Toyka-Seid für einen wichtigen Faktor. Auf der Website HanisauLand.de können Kinder und Jugendliche Fragen einschicken, die schnellstmöglich beantwortet werden. “Die Kinder fühlen sich verstanden und freuen sich, dass sie ernstgenommen werden”, sagt Toyka-Seid. Der Anspruch: Gefühle der Kinder berücksichtigen und ihnen auf Augenhöhe gegenübertreten. Die Verantwortung, die Bedürfnisse der Kinder zu verstehen sei sehr groß und manchmal lasse sich nur erahnen, was die junge Zielgruppe eigentlich brauche. “Das ist nicht immer einfach, aber für uns Medienmacher eine wichtige Aufgabe.” Voraussetzung für eine erfolgreiche Berichterstattung: ständige Erreichbarkeit.


Einen Hinweis aus der Forschung gibt in einem kurzen Vortrag Prof. Helena Bilandzic von der Uni Augsburg, die sich mit der Wirkung narrativer Medien beschäftigt: “Zu viele Informationen können Kinder nicht richtig verarbeiten. Deswegen sollte man die Beiträge nicht mit formalen Elementen wie Bildern und Info-Tafeln überfrachten.” Eine gute Möglichkeit zentrale Nachrichten zu vermitteln sei es, sie in lebhafte Geschichten einzubauen.


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