Neue Studie zu Jugendlichen und Datenschutz in sozialen Netzwerken

von Redaktion | Nov 5, 2010 | Comments Off on Neue Studie zu Jugendlichen und Datenschutz in sozialen Netzwerken
 
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„Persönliche Informationen in aller Öffentlichkeit? Jugendliche und ihre Perspektive auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken“, so der vollständige Titel der Studie, die im Rahmen der größeren, auf fünf Jahren angelegten Untersuchung „Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsplattform für Jugendliche“ vom JFF – Institut für Medienpädagogik in München durchgeführt wurde.


Der Umgang mit persönlichen Daten im Internet ist eine Herausforderung, nicht nur für Jugendliche. Für sie ist es aber noch schwieriger als für Erwachsene, die Folgen ihres Handelns in sozialen Netzwerken abzuschätzen. Oft geben sie daher viele Informationen zu unbedacht preis, was zum einen an ihrem noch begrenzten Erfahrungshorizont liegt, aber auch an den Motiven, die sie dazu verleiten, soziale Netzwerke zu nutzen. Diese sind bei jungen Leuten andere als bei Erwachsenen, bei denen Punkte wie Identitätsentwicklung und Integration in den Freundeskreis nicht mehr einen so hohen Stellenwert einnehmen wie bei Heranwachsenden. Ein zentrales Ziel der hier skizzierten Studie liegt darin, die Motive und Regeln des Handelns von Jugendlichen in sozialen Netzwerken zu erkunden. Dazu wurden insgesamt 63 Heranwachsende im Alter zwischen 13 und 19 befragt, entweder in Einzelinterviews oder in Gruppenerhebungen.


Dabei wurde schnell deutlich, dass das Wissen der Jugendlichen über Datenschutz und Persönlichkeitsrechte insgesamt lückenhaft ist, sich aber unterschiedlich darstellt, je nachdem, wie alt die Befragten sind und welchen Bildungsstand sie haben. Daran anknüpfend sieht Dr. Ulrike Wagner, stellvertretende Direktorin des JFF, als zentralen Punkt der Ergebnisse, dass Jugendliche selbstverantwortlich mit persönlichen Informationen in Online-Netzwerken umgehen wollten, aber die Voraussetzungen dafür teilweise nicht gegeben seien. Die Studie zeigt aber, dass sich Jugendliche insgesamt durchaus darüber Gedanken machen, welche Informationen sie wie und wem im Netz zur Verfügung stellen wollen.


Bei den Motiven zur Nutzung von sozialen Netzwerken zeigen sich bei der JFF-Studie drei Kernpunkte: Zunächst ist den Jugendlichen die soziale Zugehörigkeit am wichtigsten, neben der Darstellung von Interessen und Talenten und des spielerischen, experimentellen Umgangs mit sozialen Netzwerken, der meist mit Pseudonym erprobt wird.


Nach den Regeln und Normen beim Umgang mit persönlichen Informationen in sozialen Netzwerken befragt, zeigen sich große Unterschiede und Widersprüchlichkeiten. Die Jugendlichen sehen jeden selbst dafür verantwortlich, was er im Netz von sich darstellt. Daneben werden aber zum Beispiel die Rechte Dritter als verhandelbar angesehen, beziehungsweise werden nach eigenem Ermessen gehandhabt, beispielsweise beim Hochladen und Veröffentlichen von Fotos. Und ein dritter Punkt, der von vielen jugendlichen Nutzern von sozialen Netzwerken genannt wird, ist die Selbstdarstellung, die ehrlich gehandhabt werden sollte, da die Jugendlichen wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben.


Generell zeigt sich in den Aussagen der Befragten, dass deren Handeln im Netz oft nicht widerspruchsfrei ist und keinem klaren Verhaltenskodex folgt und das die Jugendlichen weiterführend für ein verantwortungsbewusstes soziales Handeln im Netz sensibilisiert werden müssen.


Weitere Informationen zu der Studie und den vollständigen Ergebnisbericht gibt es auf der Homepage des JFF – Instituts für Medienpädagogik.


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Jugenddrehscheibe-Tipps:


Besuch in einer Schuklasse: Gibt es unter den Schülern Verweigerer von sozialen Netzwerken? Wenn ja, aus welchen Gründen? Und wenn nicht, welche Argumente für die Nutzung von sozialen Netzwerken werden genannt?


Onlinerecherche über einen Jugendlichen der Region: Wieviel lässt sich online über eine Person herausfinden? Kann der komplette Lebenslauf rekonstruiert werden? Die Ergebnisse werden anonymisiert veröffentlicht.


Pro und contra: Jugendliche diskutieren in einer Gesprächsrunde oder in einem Kommentar Datenschutz und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken.

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