Geschichte macht Zeitung

Mit der zweiten STEP 21 [Weiße Flecken]-Zeitung wird ein erfolgreiches journalistisches Jugendprojekt fortgesetzt

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Angela Merkel hielt am 21. Januar als erste Leserin ein Exemplar der zweiten Ausgabe der STEP 21 [Weiße Flecken]-
Zeitung in ihren Händen. Inzwischen sind bereits viele der 30.000 gedruckten Exemplare bundesweit, in Polen und Tschechien an Schulen und Jugendeinrichtungen verschickt worden und auch im Internet ist die Zeitung als PDF-File erhältlich.

Aufmerksame und vor allem zahlreiche Leser hat das Zeitungsprojekt von step21, der gemeinnützigen Initiative für Toleranz und Verantwortung, auf jeden Fall verdient – macht es sich doch zur Aufgabe, die journalistischen Lücken der Berichterstattung der Lokalzeitungen in der NS-Zeit zu füllen. „Auf diese Weise  soll dem Vergessen des nationalsozialistischen Unrechts entgegengewirkt und zugleich der Umgang mit Medien kritisch hinterfragt werden“, erklärt Projektreferentin Lena Knäpple die Zielstellung der Zeitung.

70 Jugendliche aus Deutschland, Polen und Tschechien haben dabei zehn Monate lang in ihren Heimatstädten recherchiert, Archive durchforstet und mit Zeitzeugen gesprochen. Unterstützt von Journalisten und Historikern, die sich ehrenamtlich am Projekt beteiligten, erarbeiteten sie gemeinsam eine Zeitung, die sich mit lokalhistorischen Ereignissen  und persönlichen Schicksalen in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Die Artikel der Jugendlichen sollen die „weißen Flecken“ der Geschichte füllen, die entstanden sind, da die Lokalpresse während der NS-Zeit über bestimmte Ereignisse gar nicht oder nur verfälscht berichtet hat.

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Mehr zum Thema: Interview mit der Schülerin Josephine Schmidt, die bereits zum zweiten Mal an dem Projekt teilnimmt.

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Auf diese Weise verschränken sich in dem Projekt medienpädagogische und geschichtswissenschaftliche Ansprüche: „Wir schlagen eine Brücke in die Gegenwart, indem die Jugendlichen durch die Beschäftigung mit der Geschichte einerseits die Gefahren des modernen Rechtsextremismus deutlicher erkennen und andererseits auch die wichtige Funktion einer freien Presse für die Demokratie wertschätzen“, sagt Lena Knäpple. „Man muss in den Rückspiegel schauen, um die Spur wechseln zu können“, so brachten die Jugendlichen der ersten Ausgabe der [Weiße Flecken]-Zeitung 2006 den Ansatz des journalistischen Erinnerungsprojekts auf den Punkt.

Neben der 36-seitigen STEP 21 [Weiße Flecken]-Zeitung, in der die Texte der polnischen und tschechischen Jugendlichen zweisprachig vorliegen, wurden zudem Beileger in polnischer und tschechischer Sprache erstellt, um die Rahmentexte aus der Zeitung auch den Lesern in den Nachbarländern zugänglich zu machen. Zudem bietet das Projekt gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro eine pädagogische Handreichung für Lehrer an, die Anregungen gibt, wie die außergewöhnliche Geschichtszeitung auch im Unterricht eingesetzt werden kann.

Die Initiative step21, die sich ausschließlich durch Spenden und Förderer finanziert, plant bereits eine dritte Ausgabe der STEP 21 [Weiße Flecken]-Zeitung. Denn journalistische Lücken in der NS-Lokalhistorie gibt es sicher noch vielerorts und das Vergessen bleibt eine Gefahr. Noch in diesem Jahr soll die dritte Runde eröffnet werden.

 

von Jan Steeger

 

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