Fudder bei die Fische

Der Erfolg des Freiburger Online-Portals fudder.de zeigt, dass lokale Inhalte bei jungen Leuten gut ankommen. Redaktionsleiter Markus Hofmann erklärt im Gespräch mit der Jugenddrehscheibe das Konzept der Website.

 

Markus Hofmann, Redaktionsleiter von fudder.de.

Wie viele Leute klicken täglich bei fudder.de rein?
Seit wir im Januar 2006 mit einer kleinen Beta-Version an den Start gegangen sind, steigen die Klickraten kontinuierlich an. Momentan liegen wir im Schnitt bei 7.000 bis 8.000 Visits pro Tag. In diesem Jahr hoffen wir, eine fünfstellige Nutzerzahl zu erreichen.

Warum schauen so viele User bei Euch rein? Was macht den Erfolg Eurer Website aus?
Wir verbinden lokale News mit Blogs und einer Web-Community. Einerseits machen wir klassischen Lokaljournalismus mit Vor-Ort-Berichterstattung und Tagesaktualität. Dabei legen wir großen Wert darauf, handwerklich gut zu arbeiten und gleichzeitig auch überraschend und aktuell zu sein. Wir nutzen die multimedialen Möglichkeiten, die das Internet bietet und setzen Bildstrecken, Videos und Spiele ein. Andererseits wird der partizipative Gedanke bei fudder.de groß geschrieben. Wir beteiligen unsere Nutzer über Blogs und Kommentarfunktionen und schaffen so eine Community.

Gab es Vorbilder für dieses Konzept?
Wir haben natürlich das Rad nicht neu erfunden. Was die Themen und den Blick auf die Welt anbelangt, hat sich fudder.de sicher von Neon oder jetzt.de inspirieren lassen. Bei den Community-Funktionen haben wir uns große Anbieter wie MySpace angesehen. Und Blogs gab es schließlich auch schon vor fudder.de. Unser Konzept unterscheidet sich aber von den genannten Angeboten darin, dass fudder eine regionale Community ist, die konsequent aufs Lokale setzt.

Es heißt doch aber häufig, junge Leute würden sich nicht fürs Lokale interessieren?
Das ist schlichtweg falsch. Eine wichtige Erkenntnis bei der Arbeit mit fudder.de ist, dass sich junge Leute sehr wohl für lokale Sachen interessieren. Das, was vor der eigenen Haustür passiert, und die Menschen, über die vor Ort gesprochen wird, sind auch Teil der jugendlichen Lebenswelt. Man muss die Themen nur so aufbereiten, dass sie für die jungen Leser spannend sind.

Das Logo von fudder.de

Inwieweit bietet ein Onlineportal dabei Vorteile gegenüber einem Printprodukt?
Ein wesentlicher Vorteil besteht in der Dialogfähigkeit, die das Internet bietet. Die Leute lesen etwas, das sie unmittelbar betrifft und können sofort in Form eines Kommentars ihre Meinung zum Text schreiben. Mir persönlich fehlt das inzwischen bei einer gedruckten Zeitung oft, dass ich nicht spontan einen Kommentar zu einem Beitrag abgeben kann. Bei fudder.de dagegen ist die Kommentarfunktion ein zentrales Element, das extrem stark genutzt wird. Zehn bis fünfzig Kommentare erhält ein Artikel im Schnitt. Wir machen Dialoge und halten keine Monologe.

Welche Beiträge haben denn bisher die größte Resonanz hervorgerufen?
Zum einen eine Geschichte über einen Freiburger Musiker, der als Kandidat bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ teilgenommen hat, und auf fudder.de über das Treiben hinter den Kulissen erzählte. Dieser Artikel ist dann drei Wochen später von der  Bild-Zeitung als Aufmachergeschichte aufgenommen worden. Zum anderen ein Beitrag eines fudder-Mitarbeiters, dessen Vater 1982 den ersten Prototypen für ein iPhone entwickelt hat, den wir zusammen mit den Bildern des Prototyps auf die Website gestellt haben. Dieser Artikel ist mehr als 125.000 Mal angeklickt worden. Das war zwischenzeitlich selbst für unseren Server zuviel.

Wie kommt Ihr an solche Geschichten ran?
Wir haben mehr als 50 freie Mitarbeiter, die immer ihre Augen und Ohren offen halten und darüber hinaus nutzen wir auch die Userkommentare zur Themensuche. Der Vorteil von einem Onlinemedium ist zudem, dass wir schnell auf Ereignisse reagieren können. Unsere Stammmitarbeiter haben beispielsweise die Möglichkeit direkt auf die Seite zu schreiben und so sehr aktuell zu berichten.

 

Screenshot von fudder.de

Einen Redaktionsschluss gibt es also nicht?
Nein, aber wir haben dennoch fixe Strukturen. Vormittags zwischen 8 und 14 Uhr stellen wir vor allem aktuelle Inhalte auf die Seite. Um 9.30 Uhr gibt es die tägliche  Redaktionskonferenz, bei der wir die Themen absprechen. Ab 12 Uhr verlinken wir Spiele und Videos in unserer Rubrik „Mittagspause“. Da wir wissen, wie viele Leute zu welchen Tageszeiten die Website nutzen, können wir uns darauf einstellen und unsere Angebote an den Nutzungsgewohnheiten ausrichten.

 

Inwiefern stellt fudder.de eine Konkurrenz zur gedruckten Zeitung dar?
Wir sehen uns nicht als Konkurrent der Regionalzeitung. Fudder.de ist ja ein Produkt des Badischen Verlags, der auch die Badische Zeitung herausgibt. Im Gegensatz zur BZ will fudder.de die Themen aber anders präsentieren, als dies die Zeitung tut. Und vor allem junge Leser ansprechen. Wie alle Zeitungsverlage hat auch der Badische Verlag festgestellt, dass es immer schwerer fällt, junge Leute Zeitung an die Zeitung zu binden. Die Idee hinter fudder.de ist es daher, neue Leser zu gewinnen. Vielleicht gelingt es uns ja auch, unsere Leser für die Zeitung  zu begeistern: Ab Februar wird es eine eigene fudder-Seite in der Badischen Zeitung geben.

 

Eine letzte Frage: Was hat es mit dem Namen fudder auf sich?
Fudder ist der badische Ausdruck für Futter. Damit spielen wir auf die beiden Goldfische in unserem Redaktionsaquarium an, die immer gefüttert werden wollen. Ebenso sollen auch unsere User die Community mit Infos füttern. Hier wird schon auf das partizipative Element von fudder.de hingewiesen. Die Goldfische kann man übrigens auch über eine Webcam auf unserer Seite beobachten.

 

Interview: Jan Steeger


Markus Hofmann
(35) ist Redaktionsleiter von fudder.de. Nach einem Volontariat bei der Badischen Zeitung, hat er in Freiburg und Köln VWL und Medienmanagement studiert. Bevor er die Leitung von fudder.de übernahm, war er Redaktionsleiter vom „Ticket“, dem Veranstaltungsmagazin der Badischen Zeitung.